Durch die Veränderungen, die mit digitaler Technik und High Definition Einzug in die audiovisuelle Gestaltung erhalten haben, scheinen in den letzten Jahren der Bildschärfe und somit auch ihrer Antithese, der bildlichen Unschärfe, eine besondere Stellung zuzukommen, auch wenn Un|Schärfe-Phänomene die gesamte Geschichte der visuellen Bildgestaltung durchziehen. Die Frage nach der Un|Schärfe des Bewegtbildes ist sowohl apparativ als auch stilistisch zu verstehen und zeigt in exponierter Weise das wechselseitige Verhältnis von Technik und Ästhetik, das Mediendispositiven grundlegend inhärent ist. Der Grad der Bildschärfe kann dabei sowohl vom (Projektions)Apparat als auch durch die Gestaltung des Bewegtbildes selbst bestimmt sein. 
Ziel des Seminars ist es, ausgehend von verschiedenen audiovisuellen Beispielen eine Kartographie medialer Unschärfephänomene zu beschreiben und daran Aspekte des Medialen zu diskutieren.

Das Seminar ist in 2 Teile aufgeteilt. Nach zwei einführenden Terminen machen sich die Studierenden durch die Teilnahme am Symposium "Out of focus? Let's use autofocus!" (14.-15.11.2019) an der Universität Bayreuth als Block mit aktuellen Forschungsfragen zur Unschärfe vertraut. Im Anschluss an die Tagung sollen ausgehend von den dort diskutierten Fragen eigene Analysegegenstände bearbeitet und im Seminar präsentiert werden.