Alte Geschichte und Wirtschafts- und Sozialgeschichte werden in diesem Semester neuere
Forschungsdiskussionen zur antiken Wirtschaft n einem gemeinsam organisierten, englischsprachigen
Hauptseminar (s. vorangehende Ankündigung) behandeln, das zum Teil als Kompaktseminar
durchgeführt wird. Für Kommilitonen, die nicht auf Englisch referieren möchten,
wird parallel ein deutschsprachiges Hauptseminar angeboten, das auf die Kompaktveranstaltung
vorbereitet. Das Hauptseminar beginnt mit der Einführungssitzung am 15.10.; die weiteren
Sitzungen (jeweils dienstags 14-16 h) und der Kompakttermin werden in dieser Sitzung
festgelegt.
Ein Leistungsnachweis kann erworben werden durch Teilnahme an den regulären Sitzungen
dieses Hauptseminars und an der Kompaktveranstaltung; das Referat kann auf Deutsch oder
Englisch gehalten werden. Sollten Sie im Zweifel sein, ob Sie an einem englischen Kompaktseminar
teilnehmen können, so sprechen Sie mich gerne vorher an.
Das Seminar besteht aus vorauss. 8 wöchentlichen Sitzungen und dem Kompakttermin

Wofür noch Geschichte schreiben – und wie, wenn die politischen Einflußmöglichkeiten
immer geringer werden, die Machteliten immer weiter abgekapselt sind und ein politisch
desinteressierter Großteil des Publikums Geschichte nur als Entertainment wahrnimmt?
Und wie lassen sich Neubürger mit ganz anderem Bildungshintergrund für Geschichte und
Geschichtsschreibung interessieren? Was, wenn sie selbst Geschichte schreiben?
Diese Frage stellte sich den Historikern der frühen Kaiserzeit. Gerade auf Latein schreibende
Autoren, die über Alexander den Großen berichteten, nutzen ihren Gegenstand, um verschiedene
historiographische Programme umzusetzen.
Die beiden wichtigsten Beispiele, der Welthistoriker Pompeius Trogus und der Alexanderhistoriker
Curtius Rufus, werden in der Übung interpretiert und diskutiert werden, die damit
zugleich Einblicke in die antike Geschichtstheorie und in das antike Lesepublikum gibt.

Die Eroberungen Alexanders des Großen haben die Staatenwelt Griechenlands und des Vorderen
Orients grundlegend verwandelt und die politischen Rahmenbedingungen für die Epoche
des Hellenismus geschaffen. Sie haben aber zugleich wichtige Strukturelemente definiert
oder vorbereitet, die diesen Hellenismus von der vorangehenden Epoche der Klassik und die
hellenistischen Monarchien von der klassischen Poliswelt unterscheiden. Dies gilt weit über
die Welt des Politischen hinaus ebenso die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft, des
kulturellen Lebens und der Religion.
Dieser Aspekt einer Strukturgeschichte und der Frage, wieweit eine einzelne Herrschergestalt
langfristige Veränderungen herbeiführt, beeinflußt oder sich zunutze macht, wird in der Vorlesung
anhand der kurzen Herrschaftszeit Alexanders diskutiert werden.