Mo 12-16, 14-tägig, S 107 FAN-D, Beginn: 29.4.2019

Die Wirkmächtigkeit des Postulat homogener kultureller Identität im gegenwärtigen Rechtspopulismus nicht nur in Europa legt nahe, dass „Ethnizität nicht wegerklärt werden kann“, wie Carola Lentz angesichts der ethnischen Konflikte im ehemaligen Jugoslawien bereits Mitte der 1990er konstatierte. Während die globale Virulenz ethnischer Identitätspolitik die Frage nach der Sonderstellung Afrikas erledigt, gehört sowohl die Annahme wandlungsresistenter kultureller Identität afrikanischer ‚Stämme‘ wie die Kritik daran seit langem zum Gegenstandsbereich ethnologischer Afrikaforschung. Unter dem Schlagwort der „erfundenen Traditionen“ wurde Ethnizität weder als vor-koloniales Relikt noch als post-kolonialer Wiedergänger, sondern primär als modernes/koloniales Konstrukt interpretiert. Dabei stellt sich allerdings die Frage nach den Grenzen sozialer Konstruktion, also nach der strategischen Formbarkeit und Mobilisierbarkeit von „Tradition für die Gestaltung der Zukunft“ (Andreas Eckert). Eindrücklich sind dafür insbesondere die körperlichen Aspekte von Ethnizität, sei es in der Gewalt gegen eigene und fremde Körper, oder in der Verflechtung mit rassischer oder geschlechtlicher Identitätspolitik (Mark Lamont).

In unserem Seminar gewinnen wir Einblicke in die variable historische Gestaltung kollektiver Identitäten in Afrika. Auf dieser Grundlage kritisieren wir ethnischen Ideologien und dekonstruieren den namensgebenden Grundbegriff der Ethnologie. Schwerpunkte bilden Nigeria, Kenia und Südafrika, und somit u.a. die in ihrer historischen Genese und Sozialstruktur höchst unterschiedlichen Ethnien der Hausa und Yoruba, Massai und Swahili, Zulu und Buren. Interessen der Student*innen können berücksichtigt werden. Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit und Lektüre der überwiegend englischen Texte sind Teilnahmevoraussetzung.

Eckert, Andreas, „Nation, Staat und Ethnizität in Afrika im 20. Jahrhundert“, in: Arno Sonderegger et.al. (Hrsg.), Afrika im 20. Jahrhundert. Geschichte und Gesellschaft, Wien: Promedia, 2011, 40–59.

Lamont, Mark, „Forced male circumcision and the politics of foreskin in Kenya”, African Studies 77.2 (2018), 293–311.

Lentz, Carola, „‘Tribalismus‘ und Ethnizität in Afrika – ein Forschungsüberblick“, Leviathan 23.1 (1995), 115–145.


Ethnologie der Nacht

Der Wechsel von Tag und Nacht ist nicht menschengemacht und auch keine soziale Konstruktion, sondern die Folge der Eigenrotation der Erde. Es ist ein natürliches Phänomen. Zwar wird die Nacht in allen Gesellschaften als Naturerscheinung verstanden, doch wie sie wahrgenommen und genutzt wird, wie über sie gedacht und gesprochen wird, ist durchaus kulturspezifisch. An dieser Stelle setzt das Seminar zur Ethnologie der Nacht an. Das neue Forschungsfeld der Ethnologie der Nacht möchte die Vorstellung überwinden, dass die Nacht eine bloße Fortführung des Tages ist, sondern eigener Betrachtung bedarf. Das Seminar gibt eine Einführung in ein neues Forschungsfeld, das erst in den letzten zehn Jahren an Bedeutung gewinnt. Sie lernen unterschiedliche theoretische Zugänge (aus der Ethnologie, aber auch aus Nachbardisziplinen) zur Nacht kennen und befassen sich mit Fallstudien aus Asien, Afrika und Europa. Thematisch werden im Seminar die Bereiche Nachtleben (Nachtclubs, Tanzen, Feiern), Nachtarbeit sowie die Bedeutung der Nacht in urbanen Kontexten diskutiert.


Welche Berufsperspektiven haben Ethnolog*innen? Diese Frage beschäftigt viele Studierende. In dem Praxisseminar wollen wir gemeinsam einen Praxistag planen und organisieren, zu dem wir Ethnolog*innen aus verschiedenen Berufsfeldern, zu einem Gespräch einladen. In kleinen Teams sollen zunächst Ethnolog*innen recherchiert und kontaktiert werden. Schließlich muss der Praxistag organisiert werden, was unter anderem die Werbung, Gestaltung des Programms beinhaltet. Die Teilnehmer*innen sammeln praktische Erfahrungen im Eventmanagement und den damit verbundenen Arbeitsbereichen, wie Planung, Koordination von Aufgaben, Teamarbeit, Schreiben von Einladungs- und Werbetexten, bis hin zur Moderation des Events.