Angewandte Religionswissenschaft, engagierte Religionswissenschaft, Praktische Religionswissenschaft – Unter diesen und ähnlichen Labels speisten und speisen Religionswissenschaftler wie Richard Friedli, Wolfgang Gantke oder Udo Tworuschka seit ungefähr 20 Jahren handlungsorientierend-programmatische Fachverständnisse in die religionswissenschaftliche Debatte ein. Im Seminar wollen wir diese konzeptionellen Vorschläge einem „close reading“ unterziehen: Was ist angewandte Religionswissenschaf und inwieweit unterscheiden sich jeweilige Anwendungsverständnisse? Wie werden die verschiedenen religionswissenschaftlichen Anwendungskonzepte begründet? Was sind ihre ausgesprochenen und unausgesprochenen Prämissen? Was sind ihre zentralen Anliegen und wie werden diese exemplifiziert? Wie werden sie im Fach rezipiert?

Trotz des Praxis-Versprechens im Seminartitel wird die Lehrveranstaltung zunächst ein lektüre- und diskussionsintensives Seminar sein. Damit ist es zwar keineswegs un-praktisch – es werden schließlich zentrale Praktiken der Wissenschaft eingeübt – jedoch mag es die Erwartung eines berufspraktisch-kompetenzenausbildenden Seminars etwas unterlaufen. Literaturgrundlage sind programmatische Texte an der Schnittstelle von Wissenschaftstheorie, fachlicher Selbstverständigungs- und Strategiedebatte und methodologischer Reflexion. Lese- und Diskussionsbereitschaft werden daher unbedingt vorausgesetzt. Ziel des Seminars ist es, Konzepte „angewandter Religionswissenschaft“ zu kennen und fachdiskursiv einordnen zu können.


Die Deutsche Islamkonferenz (DIK) tagt seit ihrer Gründung im Jahr 2006 nun bereits im 13. Jahr. Sie war und ist geprägt von medialen Aufmerksamkeitshöhepunkten, markigen Debatten und Positionierungen sowie wiederkehrenden Diskussionen um Repräsentanz und Relevanz. Im engeren Sinne spiegelt sie den Umgang des deutschen Staates mit dem Islam und den Muslim*innen in Deutschland. In einem weiteren Sinne kann die DIK aber auch im Kontext der religiösen Pluralisierung der deutschen Gesellschaft als Paradebeispiel zeitgenössischer Religionspolitiken in Deutschland betrachtet werden. So können am Beispiel der DIK Versuche und Ansätze abgelesen werden, dem Faktum des Religionspluralismus auf verschiedenen religionsverfassungsrechtlichen und –politischen Ebenen zu begegnen. Sowohl für eine gegenwartsorientierte Islam-in-Deutschland-Forschung als auch im Blick auf das Forschungsfeld Religionspolitik ist die DIK also ein ergiebiger Gegenstand. In dem forschungspraktisch orientierten Seminar wollen wir gemeinsam und mithilfe computergestützter Zugriffsmethoden eine umfassende Chronik der DIK rekonstruieren, die visuelle Repräsentationsmöglichkeiten (bspw. multimedialer Zeitstrahl) mit der Zusammenschau von Informationen und Dokumenten zum historischen Ereignis „DIK“ kombiniert. Auf diese Weise wollen wir uns Wissen über die DIK nicht nur aneignen sondern die gewonnenen Erkenntnisse auch dokumentarisch aufbereiten.