Inhalt:

Was soll man tun und warum soll man es tun? Die Vorlesung stellt anhand philosophischer Klassiker von Platon bis Richard Hare systematisch die Antworten vor, die in der Ethik auf diese Fragen gegeben worden sind - in ihren zentralen Theorien, Begründungsansätzen und Problemen.

Auf dem Programm stehen: Tugendethik nach Platon, Aristoteles, Epikur und den Stoikern / Kontraktualismus nach Hobbes und Rawls / empiristische Ethik nach Hume + Interessenethik / deontologische Ethik nach Kant / Utilitarismus nach Bentham, Mill, Sidgwick und Singer / die metaethische Herausforderung durch den Nonkognitivismus des Logischen Empirismus / universeller Präskriptivismus nach Hare / Diskursethik / Anwendungsbeispiel Tierethik

Anmeldung:

Keine Anmeldung erforderlich für die Vorlesung, Anmeldung für die Klausur in FlexNow.

Leistungsnachweis:

5 benotete Leistungspunkte für das Bestehen einer zweistündigen Klausur.

Bitte beachten Sie, dass die Veranstaltung st beginnt, also Punkt 12.00 Uhr und nicht 12.15 Uhr (dann haben Sie nämlich eine etwas längere Pause, bis es mit der Logik-Vorlesung weitergeht).


Can we know whether there are mountains in the Himalaya that are higher than 7000m?—sure! Can we know whether the number of stars is odd or even?—maybe! Can we know whether a Cartesian demon deceives us all the time?—probably not! While we may know certain things, it seems to be an inevitable consequence of philosophical skepticism that other things escape our epistemic grasp in a very principle way. This immediately raises the question of where the limits of our knowledge lie, more precisely, the limits of our possible knowledge. What is the nature of this limit and how does it look like? Is it sharp or diffuse? Is it an objective limit, or can we all know different things?

In the history of philosophy, questions about the limits of knowledge have emerged prominently at the latest with Kant. In the twentieth century it was the verificationism of the logical empiricists and Popper’s so-called criterion of demarcation which strove to draw a line between science and metaphysics. Both approaches face considerable difficulties. In the seminar we will mainly discuss how recent developments in formal epistemology, logic and philosophy of science can help to overcome these problems.

2 ECTS: ≥1 presentation


5/6 ECTS: ≥1 presentation + 1 essay

Presentations can be given in English or German.


In der Wissenschaftstheorie I soll ein Überblick über die Ziele, Ansprüche, Ansätze und Probleme der Wissenschaftstheorie vermittelt werden. Dabei steht die moderne Wissenschaftstheorie, wie seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde, im Vordergrund. Wir werden es (wenn alles klappt) mit folgenden Themenkomplexen zu tun bekommen:

  • Was charakterisiert Wissenschaft bzw. Wissenschaftstheorie (WTh)?
  • Geschichte von Wissenschaft und WTh - Antike, Empirismus, Rationalismus, Kantische Transzendentalphilosophie
  • Moderne WTh: Von der Suche nach Wahrheit zur Suche nach der besten Theorie
    • Logischer Empirismus
    • Popper und der Falsifikationismus
    • Lakatos' Forschungsprogramme, Strukturalismus, Kohärentismus
    • Erklärungen und nichtexperimentelle Werkzeuge der Wissenschaften
    • Gütekriterien der Theorienwahl
  • Wissen und Werten - WTh-Importe der Metaethik
  • WTh der Ökonomik

Auch wenn die Veranstaltung als Vorlesung konzipiert ist, sind die Studierenden zu eifrigem Nachfragen und Kritisieren angehalten. Als philosophische Disziplin ist auch die Wissenschaftstheorie nach Wittgenstein schließlich keine Lehre, sondern eine Tätigkeit.

Die Veranstaltung wird mit einer Klausur abgeschlossen. Grundlage für die Klausur ist der Stoff der Vorlesung sowie der Inhalt der vier folgenden Texte:

  • Popper, K. (1963): "Science: Conjectures and Refutations"; in: Conjectures and Refutations: The Growth of Scientific Knowledge; London: Routledge.
  • Friedman, M. (1953): "The Methodology of Positive Economics"; in: Essays in Positive Economics; Chicago: University of Chicago Press. 
  • Bartelborth, Th. (1996): Begründungsstrategien; Berlin: Akademie Verlag (S. 136-169).
  • Rosenberg, A. (2009): "If Economics is a Science, what Kind of a Science is it?"; in: H. Kincaid, D. Ross (eds.), Oxford Handbook of the Philosophy of Economics, Oxford: Oxford University Press.
Literaturhinweise

Hier zunächst einmal einige Einführungen in die Wissenschaftstheorie, die man guten Gewissens empfehlen kann:

  • Lauth, B./Sareiter, J. (2002): Wissenschaftliche Erkenntnis; Paderborn: mentis
  • Gillies, D. (1993): Philosophy of Science in the Twentieth Century: Four Central Themes; Oxford: Blackwell
  • Losee, J. (2001): A Historical Introduction to the Philosophy of Science; Oxford: Oxford University Press.
  • Carrier, M. (2006): Wissenschaftstheorie zur Einführung; Hamburg: Junius.
  • Schurz, G. (2006): Einführung in die Wissenschaftstheorie; Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
  • Stöckler, M./Bartels, A. (2007): Wissenschaftstheorie; Paderborn: mentis.

Die folgenden Literaturhinweise sind eine gute Ergänzung für den Besuch der Vorlesung. Alle Bücher werden im Semesterapparat in der Bibliothek aufgestellt. Die genannten Aufsätze finden sich hier im Materialienbereich (hier mit 'MB' gekennzeichnet).

Allgemeines

(kein besonderer Vorschlag)

Geschichte von Antike bis Kant

Lauth, B./Sareiter, J. (2002): Wissenschaftliche Erkenntnis; Paderborn: mentis -- Kapitel 1: Die Anfänge: Das Konzept der axiomatischen Wissenschaft in Aristoteles' zweiter Analytik. (= Kürtext 01)

Moderne WTh

Vollmer, G. (1982): "Was können wir wissen?" MB [Überblick] (= Kürtext 02)

Czaniera, U. (Hg.) (1997): Karl Menger: Moral, Wille und Weltgestaltung. Grundlegung zur Logik der Sitten; Frankfurt/M: Suhrkamp (daraus ein Auszug aus der Einleitung). MB [zum Logischen Empirismus] (= Kürtext 03)

Czaniera, U. (2010): "Basissätze"; in: Sandkühler, H.-J. (Hg.): Enzyklopädie Philosophie; Hamburg: Meiner. MB [zum Basisproblem] (= Kürtext 04)

Lauth, B./Sareiter, J. (2002): Wissenschaftliche Erkenntnis; Paderborn: mentis - Kapitel 6: Versuch und Irrtum: Karl Popper und die "Logik der Forschung" [zum Falsifikationismus] (= Kürtext 05)

Quine, W.V.O. (1951): "Two Dogmas of Empiricism"; in: The Philosophical Review Vol 60, No 1. (= Kürtext 06)

Schurz, G. (Hg.) (1990): Erklären und Verstehen in der Wissenschaft; München: Oldenbourg - van Fraassen, B.: "Die Pragmatik des Erklärens" Teil I. MB [zum Begriff der Erklärung] (= Kürtext 07)

Nida-Rümelin, J. (Hg.) (2000): Rationalität, Realismus, Revision: Vorträge des 3. internationalen Kongresses der Gesellschaft für Analytische Philosophie; Berlin: de Gruyter - Gähde, U.: "Gedankenexperimente in Erkenntnistheorie und Physik: strukturelle Parallelen". MB [über Gedankenenxperimente] (= Kürtext 08)

Morgan, M./Morrison, M. (1999): Models as Mediators; Cambridge: CUP - Morgan, M.: "Learning from Models". MB [über Modelle] (= Kürtext 09)

Wissenschaftstheorie und Ethik Czaniera, U. (2001): Gibt es moralisches Wissen?; Paderborn: mentis - Kapitel 2 und 3.3-3.6. (= Kürtext 10)

Philosophy of Economics

Hausman, D. M. (1992): Essays on Philosophy and Economic Methodology; Cambridge: CUP - Kapitel 1: "Economic Methodology in a Nutshell". MB (= Kürtext 11)

Zusammenschau, Leistungen und Nichtleistungen der Wissenschaftstheorie

Vollmer, G. (1993): Wissenschaftstheorie im Einsatz; Stuttgart: Hirzel - "Wozu Pseudowissenschaften gut sind". (= Kürtext 12)