Kann man „Terrorismus“ theoretisch erfassen? Wie unterscheidet man den Begriff des „Terrorismus“ von „Terror“ oder „Guerillakrieg“? Und seit wann und wo spricht man von „Terrorismus“ – etwa schon für die Zeloten oder Assassinen? Immerhin wird der Begriff in Resolution 1566 des UN-Sicherheitsrats von 2004 definiert. Eignet sich dies auch für soziologische Zwecke? Terrorismus wird u.a. eine kollektive Aktionsform politischer Gewalt bezeichnet, wie es sie seit etwa 150 Jahren gibt. Es existieren viele Definitionen - etwa als planmäßige, bewußt schockierende Gewaltanschläge gegen eine politische Ordnung, die Unsicherheit und Schrecken, aber Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen soll. Durch den Schock der Provokation, den bewußten, überraschenden Normbruch, erzeugen und schüren terroristische Aktionen demnach gewaltsame Konflikte, die ihr mächtiges Gegenüber delegitimieren sollen. So unterschiedliche terroristische Gruppierungen des 20. Jahrhunderts wie Ku-Klux-Klan, RAF, IRA oder IS sind in diesem Rahmen beschrieben worden. Aber passt dazu der NSU? Das Seminar beschäftigt sich mit theoretischen Texten und konkreten Beispielen, um soziologische Perspektiven zu entfalten

Gewalt ist jederzeit eine menschliche Handlungsoption (H. Popitz). In diesem Seminar untersuchen wir Gewalt, hier zuerst in einem engen Sinn verstanden als physischen Angriff auf menschliche Körper, die im öffentlichen Raum stattfindet. Dem Phänomen "Straßengewalt" ist in der bisherigen Forschung systematisch kaum Beachtung geschenkt worden. Fragen, die im Seminar gestellt werden, lauten: Welche Formen von Straßengewalt gibt es und wie unterscheiden sie sich (politisch und ideologisch motivierte Straßengewalt/lozierende und raptive Straßengewalt/autotelische und gleichgültige Straßengewalt usw.)? Wie wird Straßengewalt im gesellschaftlichen Diskurs thematisiert? Und schließlich: Wie könnte eine Theorie der Gewalt gedacht werden, die verschiedene Erscheinungsformen von Gewalt zusammendenkt (etwa Straßengewalt und Staatsgewalt)?

Einführende Literatur:

Collins, Randall, Dynamik der Gewalt. Eine mikrosoziologische Theorie, Hamburger Edition, Hamburg 2011; Koloma Beck, Teresa; Schlichte, Klaus, Theorien der Gewalt zur Einführung, Junius, Hamburg 2014.


Im Seminar werden wir danach fragen, wie Gefängnisse von der soziologischen Forschung bearbeitet werden. So setzen wir uns einerseits mit der gesellschaftstheoretischen Einbettung der „totalen Institution“ Gefängnis auseinander; andererseits stehen empirische Einzelfallstudien zu Fragen der "Gefängniszwangsgesellschaft", der Arbeit im Gefängnis und von Gewalt im Gefängnis im Mittelpunkt des Seminars. Angedacht sind zudem eine Seminarsitzung mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der JVA Bayreuth und eine Exkursion.