Das Seminar bietet eine Einführung in die Religion der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, deren Anhänger im Volksmund oft als Mormonen bezeichnet werden. Besprochen werden zum einen die Entstehung und Verbreitung dieser religiösen Strömung, als auch theologische Inhalte.
Der Gründung der Kirche im beginnenden 19 Jhd. geht eine religiöse Pluralität in Amerika voraus, die auch Joseph Smith, den Gründer der Glaubensgemeinschaft, prägte. Es sollen einzelnen Stationen wie der Gründung der Kirche im Osten Amerikas, der Zug gen Westen und die Etablierung in Utah nachgezeichnet werden.
Als Ausgangspunkt der Glaubensinhalte wird ein Blick in die Standardwerke der Heiligen der Letzten Tage geworfen. Auch Akteure (wie religiöse Experten), institutionelle Strukturen und theologische Grundsätze werden thematisiert. Ebenso werden die Anwerbung neuer Mitglieder und Selbst- und Fremddarstellungen der Kirche besprochen.

Inhalt

Die Debatte um Religion in der Öffentlichkeit weißt diverse Kristallisationspunkte auf. Beispiele hierfür sind mit Blick auf Europa und insbesondere Deutschland Bekleidungsvorschriften oder religiöse Symbole im öffentlichen Raum, religiöse Architektur, Kompatibilität von Religion und freiheitlich-demokratischer Grundordnung, Debatten um eine Leitkultur, Vorstellungen von Geschlechterrollen, Wohlfahrt mit Blick auf religiöse oder (nicht-)staatliche Trägerschaft und viele mehr. Auch die Diskussion um den Religionsunterricht an Schulen zählt an prominenter Stelle zu diesen Kristallisationspunkten, die nicht zuletzt durch die Frage nach einem islamischen konfessionellen Religionsunterricht an Brisanz gewonnen hat. Verschiedene Interessengruppen mit häufig konträren ideologischen Standpunkten kommen hier zusammen: So wollen Religionsgemeinschaften beispielsweise eine Fortführung und im Falle islamischer Gruppen eine Ausweitung des bestehenden Modells konfessionellen Religionsunterrichts nach Art. 7 GG. Andere – beispielsweise freigeistige Organisationen (Plessentin 2012) aber auch Einzelpositionen im Kontext der Islamkritik vertreten eine Streichung oder zumindest Säkularisierung des konfessionellen Religionsunterrichts; auch die Religionswissenschaft meldet sich im deutschen Kontext gelegentlich und aufgrund der pro-konfessionellen Grundgesetztbestimmung zaghaft mit dem Vorschlag zu Wort, einen wertneutralen Religionskundeunterricht anstelle konfessioneller Unterrichte zu setzen, während dieses Anliegen beispielsweise in der Schweiz verfassungsmäßig eine vollkommen andere, formal unproblematische Grundlage besitzt (Frank/Bochinger 2008 am Beispiel Schweiz).

Diese Gemengelage soll im Seminar aufgeschlüsselt werden. Dazu ist es notwendig, zunächst die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen zum Thema „Religionsunterricht“ nachzuvollziehen. Daran anschließend soll erarbeitet werden, welche Modelle von Religionsunterricht es in den 16 deutschen Bundesländern gibt und inwiefern beispielsweise verfassungsrechtliche Abweichungen in einzelnen Bundesländern („Bremer Klausel“) zu alternativen Konzepten von Religionsunterricht führen. Hier können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars in Form von Referaten beitragen. Wir wollen auf diese Weise einen Überblick gewinnen, was sich hinter dem nur auf den ersten Blick eindeutigen Begriff „Religionsunterricht“ alles verbirgt und weshalb er Anlass für teils vehemente Auseinandersetzungen bietet.

Ziel des Seminars ist, Grundbegriffe im Kontext von Religionsunterrichts – konfessionellem wir dazu alternativem – in Deutschland zu klären sowie Positionen der Debatte um Religion und Öffentlichkeit, die sich auf (konfessionellen und anderen) Religionsunterricht beziehen, inhaltlich und diskursanalytisch einordnen zu können. Auch soll ein Vokabular erarbeitet werden, um das Thema einem religionswissenschaftlichen Zugriff zugänglich zu machen (Vorschläge hierfür finden sich beispielsweise bei Frank/Bochinger 2008).

 

Literatur

Katharina Frank/Christoph Bochinger (2008): Religious Education in Switzerland as a Field of Work vor de Study of Religions: Empirical Results and Theoretical Reflections. In: Numen 55, S. 138-217.

Ulf Plessentin (2012): Zwischen Globalkritik am Staatskirchenrecht und "Dritter Konfession" -- Organisierte Humanisten und Atheisten in Deutschland. In: Religion -- Staat -- Gesellschaft. Zeitschrift für Glaubensformen und Weltanschauungen/Journal fpr the Study of Beliefs and Worldviews 13.1, S. 133-169


In dieser Übung werden grundlegende Kompetenzen des wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt und eingeübt. Zu diesen Arbeitstechniken gehören zum Beispiel der Umgang mit wissenschaftlicher Literatur, das Halten von Vorträgen und Referaten, das Verfassen einer Hausarbeit und das korrekte Zitieren.

Die Übung richtet sich explizit an StudienanfängerInnen, die das Fach Religionswissenschaft im Studiengang Kultur und Gesellschaft studieren und ist für diese verpflichtend.

Studierende aus höheren Semestern sind aber ebenfalls herzlich willkommen.