Dozent/in: Délia Nicoué, M.A.

Zeit und Ort: Mo 10-12 Uhr, GW II - S 5

Veranstaltungsbeginn: 18.04.2016

Inhalt: Flucht, Migration und Asyl sind gegenwärtige Themen mit einer hohen gesellschaftlichen Relevanz. Theorietexte und Ethnographien zur Flüchtlingsforschung bieten interessante Einblicke in verschiedene Flüchtlingsforschungstraditionen und in die Komplexität des Phänomens Flucht und Migration. Diese Lehrveranstaltung will das Augenmerk auf die empirische Vielfalt der subjektiven Erfahrungen und Selbstwahrnehmungen der Menschen richten, die migrieren oder auf der Flucht sind, über die Kategorien der öffentlichen Debatte und der rechtlichen Bestimmungen hinweg. Hierzu bedarf es einer Auseinandersetzung sowohl mit der Flüchtlingspolitik in Afrika, als auch mit der EU-Flüchtlingspolitik, welche die Erfahrungen und die Mobilitätsstrategien afrikanischer Flüchtlinge auf dem Kontinent und an der Peripherie Europas bestimmen.

Literatur zur Einführung:

Harrell-Bond, B., and Voutira, E., 1992. Anthropology and the Study of Refugees. Anthropology today, 8 (4), 6-10.
Zollberg, A., Suhrke, A., and Aguayo, S., 1989. Escape from violence: Conflict and the refugee crisis in the developing world. New York [u.a.]: Oxford Univ. Press.

Leistungsnachweis: Referat und Hausarbeit

Dozent/in: Michael Stasik, M.A.

Zeit und Ort: Mo 12-14 Uhr, NW II - S 72

Veranstaltungsbeginn: 18.04.2016

Inhalt: Liebe, verstanden als eine besonders starke Empfindung von Zuneigung, wurde u.a. von der evolutionären Anthropologie zu einer (biochemischen) Konstante menschlicher Emotionalität erklärt. Als kulturelles Phänomen ist Liebe aber durch gesellschaftliche Einflüsse bedingt und daher in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten unterschiedlich verstanden, ausgedrückt, gelebt und wohl auch unterschiedlich gefühlt. In dem Seminar werden wir uns mit unterschiedlichen Praktiken, Arrangements, Diskursen und Ideologien von Liebe in afrikanischen Gesellschaften befassen. In einem einführenden Teil widmen wir uns der problematischen Rolle, die der Liebe als Objekt ethnologischer Forschung lange Zeit zukam - nämlich so gut wie keine. Im weiteren Verlauf des Seminars nähern wir uns der Liebe in Afrika anhand neuerer, vornehmlich englischsprachiger ethnologischer Fallstudien. Dabei behandeln wir Liebe in Verbindung mit Themen von u.a. Intimität, Sex, Reziprozität, Heirat und Ehe, Freundschaft, Prostitution, Populärkultur, Religion, HIV/AIDS, Heteronormativität/ Homosexualität.

Literatur zur Einführung: Thomas, Lynn M., and Jennifer Cole. 2009. "Introduction: Thinking through Love in Africa". In J. Cole and L. M. Thomas (eds.) Love in Africa. Chicago: University of Chicago Press, pp 1-30.

Leistungsnachweis: Aktive Teilnahme; Kurzreferat, Moderation oder Sitzungsprotokoll; ggf. Essay/Hausarbeit

Das Seminar dient der Reflexion und Nachbereitung der Pflichtpraktika. Gemeinsam werden wir Sinn und Nutzen des Praktikums für die eigene Biografie, Herausforderungen der praktischen Anwendung ethnologischer Kenntnisse sowie Möglichkeiten des Berufseinstiegs erarbeiten, kennenlernen und diskutieren.

Derzeit geht es in der öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte vor allem um Menschen, die nach Europa flüchten. Diejenigen, die innerhalb ihres Landes vertrieben werden und bleiben, oder in andere Länder des globalen Südens flüchten, geraten aus dem Blickfeld. Was bedeutet es in einer kritischen Situation zu bleiben? Und wie werden Vertreibungen im Spannungsverhältnis zum Einleben an anderen Orten erlebt? Das Seminar behandelt verschiedene Formen der Vertreibung, z.B. aufgrund von politischen Prozessen, Entwicklungsprojekten und Umweltveränderungen. Wir beschäftigen uns kritisch mit Vertreibungsprozessen, wie z.B. der Erarbeitung spezifischer Charakteristika und den Erfahrungen von Vertreibung, sowie mit der Konstruktion und Kategorisierung von „Vertriebenen" in internationalen humanitären Regimen. Neben der Betrachtung bestehender Konzeptualisierungen setzen wir uns vertiefend und in Bezug auf empirische Studien (international) aus verschiedenen theoretischen Perspektiven (z.B. der Phänomenologie und der politischen Anthropologie) mit aktuellen ethnologischen Ansätzen wie Konzepten der Ungewissheit, der „Krise" und des Ausnahmezustands auseinander und prüfen ihre Relevanz für ein Verständnis des Phänomens „Vertreibung". Ebenso diskutieren wir ethische Dilemmata und methodische Herausforderungen, die sich bei Untersuchungen zu Vertreibungen ergeben. 

Menschrechte, globale Verflechtungen und Ethnologie

Donnerstag 14:00-16:00

Ob in öffentlichen Debatten um das Asylrecht oder um transnationale Unternehmen, die im neoliberalen Kapitalismus Arbeitsrechte missachten, nationale und internationale politische Akteure beziehen sich in ihrer Kritik auf Menschenrechte, die zu einer grundlegenden politischen Idee geworden sind. Das Seminar beleuchtet kritisch Diskurse, Praxis und Konzepte von Menschenrechten und bezieht sich auf die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Dazu gehört sowohl die Betrachtung der Institutionalisierung von Menschenrechten als auch gegenwärtiger Ansätze in der Ethnologie, die untersuchen wie Menschenrechtskonzepte in politischen Kämpfen lokal mobilisiert und global produziert werden, also wie in einer global vernetzten Welt Menschenrechte „gemacht" und verhandelt werden. Das Seminar bietet Einblicke in ethnologische Debatten und Forschungen zu Menschenrechten, wie z.B. dem Problem des Universalismus vs. Relativismus und der Frage der kulturellen Differenz. Dazu analysieren wir empirische Beispiele aus verschiedenen Bereichen (z.B. LGBT-Rechte, Frauenrechte, Verantwortung transnationaler Wirtschaftsunternehmen) und beleuchten auch die Praxis von Menschenrechtsorganisationen. Wir gehen Fragen nach Legitimationsprozessen, Rechtsgrundlagen, der lokalen Übersetzung und Aneignung von Menschenrechten, der Kluft zwischen Menschenrechtsgesetzen und ihrer Implementierung sowie der Rolle von internationalen Institutionen und NGOs nach. Auf das Seminar aufbauend wird zusätzlich eine Exkursion nach Berlin zu verschiedenen Menschenrechtsorganisationen angeboten. 



Dozent/in: Valerie Hänsch


Inhalt: Das Seminar widmet sich der methodischen Vorbereitung des Studienprojektes im Rahmen der Masterstudiengänge KuS sowie KuGeA. Unter der Anleitung der Dozentin erarbeiten sich die Studierenden die methodischen Grundlagen ethnographischer Forschung. Wir wiederholen grundlegende methodische Zugänge und reflektieren Forschungsethik, sowie -pragmatik. In Eigenarbeit und unter Supervision der Dozentin definieren die Studierenden ein methodisches Design und eine Strategie für ihre Forschung. Dieser Prozess wird in einem Projekt-Exposé dokumentiert.