Motivation: Entscheidungen von Unternehmen über Produktion und Investition sind wesentlich von der betrieblichen Finanz- und Liquiditätslage abhängig. Dabei nutzen vor allem lokal eingebettete Unternehmen wie kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), aber auch Handwerksbetriebe regionale Finanzdienstleistungen. Gerade KMU hängen aufgrund geringer Eigenkapitalquoten (Becker et al. 2015, Adenäuer & Haunschild 2008) von fremdfinanziertem Kapital ab. An dieser Schnittstelle kommt Regionalbanken für die kurzfristige Liquiditätssicherung und mittelfristige Finanzierung der Produkt- und Marktentwicklung eine tragende Rolle zu. Geschäftsbeziehungen zwischen Regionalbanken und lokal eingebetteten Unternehmen unterliegen allerdings seit einiger Zeit einem Wandel aufgrund mehrerer und teils überlagernder Einflüsse. Konzentrationstendenzen im Bankensektor sowie neue regulatorische Anforderungen an Finanzdienstleistungen, aber auch räumliche Schrumpfungsprozesse und der demographische Wandel verändern diese Geschäftsbeziehungen (Bernhardt & Schwartz 2014, Conrad 2008). Bisher ist unklar, wie und wohin sie sich verändern. Kommt es durch die Ausdünnung der Finanzversorgung zu einem Bedeutungsverlust? Oder erfährt die sog. Hausbankbeziehung zwischen KMU und (Regional)Banken einen grundsätzlichen Bedeutungswandel? Diese Fragen sind noch völlig ungeklärt, weshalb sich das Studienprojekt dem Thema annimmt.

Ziel: Das Studienprojekt verfolgt zwei eng miteinander verknüpfte Ziele: Zunächst sollen passende theoretische Grundlagen erarbeitet werden, um sich das Thema anzueignen sowie eine forschungsleitende Fragestellung zu entwickeln, die auch empirisch umsetzbar ist. Ansatzpunkte dafür sind das „proximities"-Konzept der Wirtschaftsgeographie (Boschma 2005, Balland et al. 2015, Knoben & Oerlemans 2006), aber auch institutionenökonomische Ansätze (Kechidi & Talbot 2010). Danach soll am Beispiel einer selbst gewählten Fallregion (oder einer vergleichenden Analyse mehrerer Regionen) eine empirische Untersuchung durchgeführt werden.