Zeitkonzepte sind oft unbewusst, bilden aber ein Grundgerüst für das Handeln. Besonders in Krisenzeiten zeigt sich, wie eine Gesellschaft versucht, Ordnung und Kontrolle herzustellen und daran lässt sich die Zeit/Zukunftskonzeption ablesen. Solche Konzepte werden wir an Hand von religiösen Vorstellungen vom guten Leben und in der Hoffnung auf Besserung einer schwierigen Situation entdecken.
In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit verschiedenen Vorstellungen von der Zukunft. Wer sind die Träger von Zukünftsentwürfen? In welchen Situationen werden diese entworfen und wie zeigen sich solche Entwürfe? Regional werden wir uns auf Afrika beschränken und eine Reihe unterschiedlicher Konzepte an Hand von einigen Klassikern und vielen aktuellen Publikationen erarbeiten und abgrenzen.
Um nur einige zu nennen, wären da die historischen Entwürfe für die Post-Kolonien, z.B. Ujamaa in Tanzania oder dem Panafrikanismus. Heutige post-koloniale Denker entwarfen in den letzten Jahren Zukunftskonzepte wie Afromodernität und Afrotopia, die z.T. die historischen post-koloniale Ideen aufgreifen und Gegentwürfe zu globalen Entwicklungsnarrativen wie Africa Rising und den afrikanischen Löwenstaaten (vrgl. asiatische Tigerstaaten) bilden. Ebenfalls als Gegenentwurf zur westlichen Entwicklung propagierte Thabo Mbeki für Südafrika eine afrikanische Renaissance. Vor allem Künstler*innen und Aktivist*innen prägten den Begriff Afrofuturism für eine digital vernetzte Zukunft. Diese und andere Konzepte werden wir im Seminar untersuchen und vergleichen.

Seit der Einführung der Schulpflicht wird es als selbstverständlich angesehen, dass Menschen lesen und schreiben können.  Nicht nur die Integration in die Arbeitsmärkte, auch Alltagsorientierungen hängen ganz wesentlich davon ab. Diese Vorstellung einer allgemeinen Literalität setzt zugleich globale Standards, die Illiteralität produzieren. Da diese mit fehlender Entwicklung gleichgesetzt wird, entstehen so neue Bruchlinien der Exklusion.

Hier setzt unser Seminar an. Wir diskutieren, wie Menschen, Institutionen und Staaten Schrift-Sprache für sich nutzen, sowie, welche Funktionen Schriftsprachsystemen zugeschrieben werden. Wir setzen uns damit auseinander, wie Literalität und Alphabetisierung für politische Ziele instrumentalisiert werden.

Wird Literalität als Soziale Praxis begriffen, so lässt sich eine enorme Bandbreite im Nutzen und Umgang mit Schriftlichkeit identifizieren. Welche Bedeutungen von unterschiedlichen Akteuren über Literalität und Illiteraität von welchen Akteuren wie konstruiert werden, welche Praxen das Phänomen ausdifferenzieren, werden wir anhand ethnographischer Texte eruieren. Wir gehen der Frage nach, ob und inwieweit sich eindeutige Trennlinien zwischen Literaltiät und Illiteralität ziehen lassen und untersuchen welche theoretischen Konzepte wie Vorstellungen und Ansprüche an Schriftlichkeit geprägt haben und prägen. Neben der Diskussion anthropologischer Texten machen wir Ausflüge in Nachbarwissenschaften.

Diese Einführungsveranstaltung vermittelt einen Überblick über Forschungsfelder der Medizinethnologie/Medical Anthropology. Wir erarbeiten uns, wie der Körper im sozialen Umfeld definiert wird, was zu einem Körper dazugehört und in welcher Beziehung ein Körper zu Gemeinschaft und Gesellschaft steht. Darüber hinaus diskutieren wir, was Anfang und Ende des weltlichen Lebens markiert und wie der Körper davor und danach konzipiert wird.
Neben dem gesunden Menschen beschäftigen wir uns auch mit dem kranken Menschen. Unterschiedliche Akteure werden in Diagnose, Heilung und Pflege involviert und üblicherweise stehen in einem Kontext alternative Medizinsystem zur Verfügung. Wir werden unterschiedliche Medizinsysteme kennenlernen.
Weitere Themenblöcke fallen in den Bereich der Critical Medical Anthropology, die soziale Ungleichheit und Krankheit verbindet. Themen sind u.a. Krankheit als Abweichung von der Norm, das medizinische System als Werkzeug der sozialen Kontrolle und der (eingeschränkte) Zugang zu Krankenversicherungen und Medikamenten (z.B. AIDS-Mediamente, Verhütungsmittel).

Das Seminar dient der Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten. Wir erlernen Grundregeln und Techniken geistes- und kulturwissenschaftlichen Arbeitens: Wie funktioniert Literaturrecherche und das Auffinden von Information? Wie interpretiere und bewerte ich schriftliche Quellen? Was bedeutet es, wissenschaftlich zu schreiben?
Das Gliedern von Hausarbeiten, das Zitieren und Belegen von Aussagen im Text, das Erstellen von Literaturverzeichnissen und die Verwendung von wissenschaftlicher Sprache werden erlernt und geübt. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit grundlegenden Prinzipien wissenschaftlicher Erkenntnis und Forschung.
Die Veranstaltung richtet sich wesentlich an Studienanfänger*innen und sollte im ersten Semester besucht werden.