So wie das Christentum eine antike Religion ist, deren Entstehung aus dem zeitgenössischen Umfeld und vor dem Hintergrund anderer, zeitgenössischer Religionen und Kulte verstanden werden will, so sind auch seine Heiligen Schriften antike, griechische Literatur. Besonders deutlich wird das in den Schriften des Lukas: einerseits ist an ihnen das literarische Vorgehen der drei als ›synoptisch‹ bezeichneten Testamente (Markus, Matthäus, Lukas) zu diskutieren, andererseits ist besonders an der Apostelgeschichte ihr Verhältnis zur zeitgenössischen Geschichtsschreibung und (Roman-)Literatur zu erörtern, die schon die spätesten Bücher des Alten Testamentes deutlich beeinflußt hatten. Beide Aspekte werden in der Übung anhand von ausgewählten Stellen behandelt werden; die Texte, die in einem sehr einfachen Griechisch verfaßt wurden, werden dabei im Original gelesen.

Literatur:

Text/Übersetzung: Das Neue Testament griechisch und deutsch, hrsg. v. Eberhard Nestle/Kurt Aland, 28. Aufl. Stuttgart 2017 (oder auch, für Anfänger im Griechischen: Ernst Dietzfelbinger, Das Neue Testament. Interlinearübersetzung Griechisch - Deutsch, Neuauflage Stuttgart 2014). Kommentare: Wolfgang Wiefel, Das Evangelium nach Lukas (Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament), Berlin 1988; Gottfried Schille, Die Apostelgeschichte des Lukas (Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament), Berlin 1984; Wilfried Eckey, Das Lukasevangelium unter Berücksichtigung seiner Parallelen, 2 Bde., Neukirchen-Vluyn 2004; ders., Die Apostelgeschichte. Der Weg des Evangeliums von Jerusalem nach Rom. 2 Bde., Neukirchen-Vluyn 2000. Historischer Hintergrund: Jörg Frey/Clare K. Rothschild/Jens Schröter (Hrsg.), Die Apostelgeschichte im Kontext antiker und frühchristlicher Historiographie (ZNTW Beih. 162), Berlin/Boston 2009.


So wie das römische Kaisertum seit seiner Einrichtung durch Augustus zwischen römisch-republikanischen Traditionen und mehrheitlich hellenistisch inspirierten Neuerungen schwankte, mußte auch die Rolle Roms als Fundament wie als Bühne der Kaiserherrschaft schwanken: Ort der ostentativen Übereinstimmung mit senatorischen Standesgenossen des Kaisers, die längst keine Standesgenossen mehr waren, ebenso wie Bühne der inszenierten Zusammenkunft mit der römischen plebs als Verkörperung des römischen Staatsvolkes und Kulisse, vor der der Kaiser als Beglücker der gesamten bewohnten Welt auftrat. Diese Aspekte kaiserlicher Inszenierung und damit die Frage nach den neuen Formen politischer Kommunikation werden im Mittelpunkt des Seminars stehen, das damit zugleich die gewandelte Struktur von Öffentlichkeit und von politischer Partizipation in einem sich verändernden, ‚postrepublikanischen‘ (wenn auch nicht ‚postdemokratischen‘) Herrschaftssystem in den Blick nimmt.

 

Literatur:

Elke Hartmann, Ordnung in Unordnung. Kommunikation, Konsum und Konkurrenz in der stadtrömischen Gesellschaft der frühen Kaiserzeit, Stuttgart 2016; Katja Kröss, Die politische Rolle der stadtrömischen Plebs in der Kaiserzeit (Impact of Empire 24), Leiden/Boston/Köln 2017; Felix Mundt (Hrsg.), Kommunikationsräume im kaiserzeitlichen Rom (Topoi 6), Berlin/New York 2012; Björn Christian Ewald/Carlos F. Noreña (Hrsg.), The Emperor and Rome. Space, Representation, and Ritual (YCS), Cambridge 2010.


Die Briefe des jüngeren Plinius sprechen von vielem und reden doch immer nur von einem. Sie beschwören politische Kämpfe am Anfang einer neuen Dynastie, schildern senatorische Landgüter als Orte exklusiver Freizeitgestaltung und harter wirtschaftlicher Entscheidungen, entwerfen das Phantombild einer idealen Ehe, evozieren Idealbilder senatorischer Pflichterfüllung in größter Gefahr, wie in der Katastrophe des Vesuvausbruches, die ihr Autor aus sicherer Entfernung schildert. Im Kern erzählen sie dabei aber immer von dem idealen römischen Senator, der Plinius sein wollte. Sie haben damit in den letzten Jahren, deren Forschung sich gern und intensiv mit Rollenbildern und Selbstdarstellung römischer Eliten beschäftigt haben, großes Interesse erfahren, und das zu recht.

Eine Auswahl dieser — sprachlich nicht schwierigen — Briefe soll in der Übung im Original gelesen und interpretiert werden.

 

Literatur:

Ausgabe: Plinius Caecilius Secundus, C. Plini Caecili Secundi epistularum libri decem, recogn. brevique adnot. crit. instruxit Roger A. Mynors (OCT), Oxford 1963 (Texte werden in der Übung ausgeteilt). Kommentar: Adrian N. Sherwin-White, The Letters of Pliny. A Historical and Social Commentary, 2. Aufl. Oxford 1966, ND 1985. Literatur: Sven Page, Der ideale Aristokrat. Plinius der Jüngere und das Sozialprofil der Senatoren in der Kaiserzeit (Studien zur Alten Geschichte 25), Heidelberg 2015; Ilaria Marchesi (Hrsg.), Pliny the Book-Maker. Betting on Posterity in the Epistles, Oxford 2015; Matthias Ludolph, Epistolographie und Selbstdarstellung. Untersuchungen zu den ›Paradebriefen‹ Plinius des Jüngeren, Tübingen 1997.


Die Veranstaltung ist ein zusätzliches Angebot zur Prüfungsvorbereitung und deshalb nicht in die Modulstruktur der Studiengänge eingebunden. Es kann kein Schein zur Anrechnung in einem Studiengang erworben werden.

Die Übung richtet sich an Studenten des Lehramtsstudienganges. Sie dient der Vorbereitung auf die Staatsexamensklausuren. Neben der Erarbeitung von Prüfungsthemen wird ein Schwerpunkt dabei auf Methoden und Strategien der Vorbereitung liegen.

Alle weiteren Details werden in der Lehrveranstaltung besprochen.


Der Untergang des Römischen Reiches und das Ende der Antike sahen auch den Aufstieg neuer Herrschaftsgebilde, die sich zunächst auf Reichsterritorium, dann vom Römischen Reich de facto losgelöst entwickelten und die im westlichen Europa die Grundlage der politischen Struktur des Mittelalters legten. Diese Germanischen Nachfolgereiche werden in der Vorlesung von ihrer Vorgeschichte und ihrer Entstehung seit dem frühen 5. Jahrhundert und bis in ihre Stabilisierung im Frühmittelalter verfolgt; dabei werden grundlegende Fragen nach Ausprägung (und Verlust) von Staatlichkeit, nach der Rolle von Religion (und religiöser Funktionsträger) und nach dem Aufstieg (und dem Niedergang) politischer und gesellschaftlicher Eliten ebenso zu stellen seinwie jene nach zivilisatorischem Niedergang oder kulturellem Wandel am Übergang von der Antike zum westeuropäischen Mittelalter.

 

Literatur:

Alexander Demandt, Die Spätantike. Römische Geschichte von Diocletian bis Justinian, 284—565 n.Chr., vollst. bearbeit. u. erw. Neuaufl. (HdA III 6), München 2007 [1989]; Peter J. Heather, Der Untergang des Römischen Weltreichs, Stuttgart 2007; ders., Invasion der Barbaren. Die Entstehung Europas im ersten Jahrtausend nach Christus, Stuttgart 2011; ders., Die Wiedergeburt Roms. Päpste, Herrscher und die Welt des Mittelalters, Stuttgart 2014; Bryan Ward-Perkins, Der Untergang des Römischen Reiches und das Ende der Zivilisation, Darmstadt 2007; Christopher Wickham, The Inheritance of Rome. A History of Europe from 400 to 1000, London 2009.